Missratene Krisenkommunikation – ein Musterbeispiel

In manchen Fällen gerät Krisenkommunikation so desaströs, dass es tatsächlich besser gewesen wäre, die Akteure hätten geschwiegen.

Ein Musterbeispiel für misslungene Krisenkommunikation lieferte Anne Spiegel, Umweltministerin von Rheinland-Pfalz, die noch während der Flutkatastrophe im Ahrtal einen vierwöchigen Familienurlaub in Frankreich angetreten hatte und deshalb in die Kritik geraten war.

Die gröbsten Schnitzer in Kurzform:

  • Ein Live-Statement am Sonntagabend um 21 Uhr zu geben bedeutet, dass man in den Printmedien einen vollen Tag „Sendepause“ hat, in jedem Fall ist es ein ungeeigneter Zeitpunkt für die Verkündung eines Nicht-Rücktritts
  • Ständig schweifender Blick (wer oder was wohl aus Sicht Spiegels rechts vor ihr gestanden hat?), brüchige Stimme und eine insgesamt schlechte Intonation verraten Unsicherheit, Hilflosigkeit und mangelnde Vorbereitung
  • Bei Minute 6:45 vergisst Spiegel offenbar, dass sie live ist und sucht fast flehend (offenbar bei ihrem Pressesprecher) nach etwas zum „abbinden“ ihres Gestammels
  • Über den Inhalt wollen wir gnädig schweigen, z. B. über die Tatsache, dass man noch lange nicht an Kabinettssitzungen teilgenommen hat, nur weil sie im Kalender standen (min. 5:10)

Fazit: Si taccisset! Sehen Sie selbst.